Hans-Eberhard-Piepho-Preis

Hans-Eberhard Piepho

Kein deutscher Fremdsprachendidaktiker hat in den letzten Jahrzehnten die Fachdidaktik für die Neueren Sprachen so stark geprägt wie Hans-Eberhard Piepho. Besonders sein Einsatz für einen kommunikativ orientierten Englischunterricht verhalf dem Professor für Fremdsprachendidaktik nicht nur innerhalb der Bundesrepublik, sondern auch im Ausland zu großer Beachtung.
Mit seinem Einsatz für lebensnahes Englischlernen leitete Piepho bereits 1974 mit seiner Publikation Kommunikative Kompetenz als übergeordnetes Lernziel im Englischunterricht die so genannte Kommunikative Wende in Deutschland ein. Sein Buch bewies, mit welch bewundernswertem Gespür Piepho Strömungen wahrnehmen und aufgreifen konnte - hatte er doch noch in seinen Anfängen als Realschullehrer und Schulleiter Lehrwerke verfasst, die sich stark an der audio-lingualen Methode orientierten und nun durch die Kommunikative Wende von seiner eigenen Kritik eingeholt wurden. Piephos Bücher zum kommunikativen Fremdsprachenunterricht - damals marktbeherrschende Bestseller - und die zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen in ihrem Gefolge machten ihn in ganz Deutschland bekannt.
Zu Hans-Eberhard Piephos legendärem Ruf trugen aber auch die Internationalen Sprachlehr- und Linguistentagungen auf dem Sonnenberg (Internationales Haus St. Andreasberg) bei, die er ab 1961 fast 30 Jahre lang leitete. Von dort aus verbreiteten sich viele seiner Ideen.
Ein weiteres wichtiges Forum für Piepho waren die Werkstattgespräche des Goethe-Instituts. Als einer der ersten Anglisten entdeckte er diesen Bereich für sich. Die Arbeit für das Goethe-Institut führte Piepho als Botschafter deutscher Fremdsprachendidaktik in alle Länder der Welt. Besonders engagierte er sich im ehemaligen Jugoslawien, in Polen, Portugal, der Schweiz und in China.
In Deutschland war einer seiner wichtigsten Wirkungskreise die Bundesarbeitsgemeinschaft Englisch an Gesamtschulen (BAG Englisch) - ein kollegiales Netzwerk, in dem Lehrerinnen und Lehrer nicht nur ein offenes Ohr für ihre Fragen und Probleme aus der Praxis fanden, sondern wo in engem Kontakt zwischen Wissenschaftlern und Praktikern die Ideen des kommunikativen Fremdsprachenunterrichts weiterentwickelt werden konnten. Hans-Eberhard Piepho war und blieb stets ein Fachmann für die Praxis, der immer wieder selbst vor die Lernergruppen trat, um mit Kindern und Erwachsenen zu arbeiten.
Die Liebe zur Unterrichtspraxis begleitete ihn auch während seiner Tätigkeit als Professor am Institut für Anglistik an der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen. Vor allem durch seine Arbeiten in der Lehrerbildung hat Hans-Eberhard Piepho deutlich gemacht, wie Berufsfeldbezug und Theoriebildung einander ergänzen müssen, damit zukünftige Lehrerinnen und Lehrer befähigt werden, einen lebendigen und anspruchsvollen Unterricht zu gestalten. Aus- und Fortbildung waren für ihn untrennbar miteinander verbunden. Deshalb engagierte er sich auch viele Jahre in der hessischen Lehrerfortbildung.
In den letzten zehn Jahren wurde der frühe Fremdsprachenunterricht immer mehr zu Piephos Lieblingsthema. Im Rahmen seiner Forschungen durchreiste er die Bundesrepublik, besuchte Lehrerkonferenzen, beriet Ministerien und arbeitete an Lehrbuchprojekten mit. Er engagierte sich bis kurz vor seinem Tod in The English Academy, dem think tank des Diesterweg-Verlags, und veröffentlichte im Laufe seines Lebens zahlreiche Materialien, bei denen stets die Lernerorientierung im Vordergrund stand. Wo sich neue Trends in der Fremdsprachendidaktik entwickelten, war Hans-Eberhard Piepho einer der ersten, der sie aufgriff, weiterentwickelte und ihnen seine ganz persönliche Note gab.
Hans-Eberhard Piepho verstarb am 11. September 2004 im Alter von 75 Jahren in Hannover.

Biographie

15.02.1929   geboren in Hannover
1949   Abitur am Ratsgymnasium in Hannover Teilnahme am German Student's Harvest Scheme
1949-1951   Studium an der Pädagogischen Hochschule Hannover
1952-1953   Studienaufenthalt in den USA
1954   Zweite Prüfung zum Lehrer im Volksschuldienst
1953-1958   Lehrer am Differenzierten Mittelbau (Gesamtschule) in Hannover
1958-1961   Assistent an der Pädagogischen Hochschule Hannover
1961-1963   Leiter der Fridtjof-Nansen-Schule in Hannover
1964-1973   Leiter der Schule an der Birkenstraße in Hannover
Lehraufträge an der Pädagogischen Hochschule Hannover und an der Universität Hamburg
1970-1973   Leiter der Niedersächsischen Arbeitsgruppen für Medienverbund, Schulfernsehen und Technologien
Fachmoderatur für Englisch an Niedersächsischen Gesamtschulen
1973-1994   Professor für Didaktik der Englischen Sprache an der Justus-Liebig-Universität Gießen
11.09.2004   verstorben in Hannover