Hans-Eberhard-Piepho-Preis

Hans-Eberhard-Piepho-Preis 2015
1. Preis in der Kategorie Wissenschaftliche Arbeiten

Marlis Schleich, München

„Geschichte des internationalen Schülerbriefwechsels. Entstehung und Entwicklung im historischen Kontext von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg“

Beschreibung
Frau Schleich befasst sich in ihrer herausragenden Dissertationsschrift mit der Theorie und Praxis des internationalen Schülerbriefwechsels in der Zeit von 1897 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Unter Berücksichtigung eines äußerst umfangreichen, sorgfältig zusammengestellten Quellenkorpus, das präzise aufgearbeitet und gekonnt interpretiert wird, erweckt sie eine längst in Vergessenheit geratene Epoche des Fremdsprachenunterrichts in Europa zum Leben, die für die aktuelle Diskussion, vor allem in den Bereichen des inter- und transkulturellen Lernens, des Lernens in medial vermittelten Begegnungs- und Korrespondenzprojekten sowie auch des zunehmend selbstregulierten Lernens in authentischen Settings von herausragender Bedeutung ist. Vieles von dem, was heute als originell und innovativ bezeichnet wird, relativiert sich vor dem Hintergrund dieser exzellenten Forschungsarbeit. Dies gilt in besonderer Weise für das digital gestützte, internetbasierte Fremdsprachenlehren und –lernen, das in Bezug auf seine Inszenierung und Organisation, wie wir jetzt wissen, weit hinter dem Schülerbriefwechsel in den Jahren 1897-1914 zurückbleibt.

Besonders überzeugend ist auch, wie die Verfasserin ihr Vorgehen forschungsmethodologisch begründet, indem sie einerseits den Ansatz der neuen Ideengeschichte der ‚Cambridge School‘ aufgreift und damit ihre Untersuchung geschichtswissenschaftlich absichert, zugleich aber über diesen Ansatz hinausgeht. Denn sie macht deutlich, dass sich die Praxis des Schülerbriefwechsels nur dann erschließen lässt, wenn sowohl die soziokulturellen Kontexte und Entwicklungen berücksichtigt werden, die solch eine Form der schriftlichen Kommunikation erst ermöglichen, als auch die Protagonisten gewürdigt werden, die die Praxis des Schülerbriefwechsels vorangetrieben haben. Der Erträge des Vorgehens und damit der Erkenntnisgewinn für die Fachdidaktik ist erheblich und aufschlussreich. Faszinierend für den Leser ist die sehr lebendige Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Kontexte sowie der Entwicklungen im Bildungswesen mit der zunehmenden Bedeutung der modernen Fremdsprachen. Sowohl fachdidaktische als auch politische Gründe sind Triebkräfte der Etablierung des Schülerbriefaustausches. Vorzüglich gelungen ist die Rekonstruktion der Lebensleistung derjenigen Männer, die in Deutschland, Frankreich, England und den USA als Protagonisten für die Etablierung der Briefwechsel fungierten sowie in unterschiedlicher Weise fremdsprachendidaktisch und friedenspolitisch motiviert waren. Eine Glanzleistung stellt zudem die Rekonstruktion der Briefpraxis dar, die u.a. Einblicke in den Alltag des zeitgenössischen Fremdsprachenunterrichts ermöglicht, das Engagement der Lehrkräfte verdeutlicht und zeigt, wie diese mit Hilfe der Briefe den Unterricht lebendig werden lassen. Schließlich ist der Erkenntnisgewinn zu nennen, den die Aufarbeitung des Diskurses zum Briefwechsel in der zeitgenössischen Fachliteratur liefert.

Obwohl Frau Schleich komplexe Entwicklungslinien nachzeichnet, zusammenbringt und interpretiert, ist es ihr durchgängig gelungen, eine kohärente Argumentation zu entwickeln, durch die sie die einzelnen Teile der Arbeit und die unterschiedlichen Stränge so verschränkt, dass der Leser nie die Orientierung verliert. Dazu tragen die immer wieder geschickt eingebauten Zusammenfassungen entscheidend bei. Es ist zu hoffen und der Verfasserin zu wünschen, dass die fachdidaktische Diskussion ihre Forschungsanstrengungen gebührend würdigen und die richtungweisenden Impulse ihrer Arbeit weiterentwickeln wird. Die Jury prämiert diese herausragende Arbeit mit einem Preisgeld in Höhe von 1000 Euro.

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