Hans-Eberhard-Piepho-Preis

Hans-Eberhard-Piepho-Preis 2015
1. Preis in der Kategorie Wissenschaftliche Arbeiten

Ivo Steininger, Gießen

„Modellierung literarischer Kompetenz. Eine qualitative Studie im Fremdsprachenunterricht der Sekundarstufe I“

Beschreibung
Herr Steininger befasst sich in seiner ca. 450-seitigen Dissertationsschrift mit einem hoch interessanten, im Kontext der fremdsprachendidaktischen bzw. der literaturdidaktischen Kompetenzforschung angesiedelten Thema. Ganz konkret geht es ihm um die theorie- und datengestützte Modellierung literarischer Kompetenzen im Kontext des kommunikativen Paradigmas und um eine möglichst präzise, differenzierte und tragfähige Operationalisierung von Teilkompetenzen in diesem als überaus vielschichtig sich darstellenden und von daher schwierig zu erforschenden Bereich. Die Modellbildung erfolgt dabei top-down und bottom-up, im vorbildlichen Zusammenspiel von Theorie und Empirie. So nimmt der Verfasser im Theorieteil der Arbeit zunächst die aktuelle Diskussion um Kompetenzen, Standards, Aufgaben und Tests unter die Lupe. Vor dem Hintergrund einer rezeptionsästhetisch verorteten Literaturdidaktik gelingt es ihm, einige gravierende Schwachstellen bzw. Forschungsdesiderate zu identifizieren, die eine Revision vorhandener fremdsprachenunterrichtlicher Steuerungsinstrumente dringlich erscheinen lassen. Die sorgfältige Trennung deskriptiver, normativer und werteorientierte Überlegungen und Aussagen, die sich wie ein roter Faden durch diese wissenschaftliche Arbeit zieht, ist als mustergültig zu bezeichnen.

Der empirische Teil der Studie, indem es um die datengestützte Validierung und Operationalisierung des Konstrukts der literarischen Kompetenzen unter Einbeziehung der im Theorieteil gewonnenen Einsichten und Erkenntnisse geht, ist ebenso beeindruckend. So bedient sich der Verfasser im Rahmen der unterrichtlichen Datenerhebung, -aufbereitung und -auswertung nicht lediglich bestimmter Forschungsinstrumente, sondern er adaptiert und konkretisiert im Sinne seines literaturdidaktisch-kompetenztheoretischen Erkenntnisinteresses einen (sozialwissenschaftlichen) Forschungsstil, i.e. den der grounded theory. Die auf dieser Grundlage durchgeführte mehrfachfallbezogene Untersuchung überzeugt insbesondere in Bezug auf das schrittweise abstrakter werdende, akribisch durchgeführte Kodieren, das im Sinne von rich description in allen Details besonders transparent bzw. plastisch dargestellt wird. Herr Steininger vermag auf dem Wege der hier nur in Ansätzen skizzierten hermeneutisch-empirischen Erkenntnisgewinnung ein Modell literarischer Kompetenzen zu entwickeln, das die Theorie und Praxis des Fremdsprachenunterrichts enorm bereichern wird. Die Jury würdigt diese exzellente Arbeit mit einem Preisgeld in Höhe von 1000 Euro.

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