Hans-Eberhard-Piepho-Preis

Hans-Eberhard-Piepho-Preis 2017
Sonderpreis

Simon-Lorenz Dörr (LMU München)

„Lehrer- und Schülersprache im Englischunterricht der bayerischen Mittelschule“

Beschreibung
Der Englischunterricht an Hauptschulen (oder Mittelschulen, wie der Schultypus in Bayern heißt) ist in den letzten Jahren von der Fremdsprachendidaktik deutlich vernachlässigt worden, wie Simon-Lorenz Dörr in seinem überzeugenden Forschungsüberblick verdeutlicht. In fast allen Bundesländern wird vor allem in diesem Schultyp Englischunterricht fachfremd erteilt. In Bayern, wo die Studie angesiedelt ist, wird dies u.a. mit dem Klassenlehrerprinzip begründet. Fachfremd unterrichtende Lehrkräfte, die nicht „Englisch studiert haben, also keine didaktische-methodische und vor allem sprachpraktische Ausbildung erfahren haben“ (S.14), so die Annahme, können keinen „sachgemäßen Englischunterricht“ erteilen, weil sie nicht über eine differenzierte Lehrersprache verfügen. Die vorliegende Studie rückt deshalb die Qualität der Lehrersprache ins Zentrum und versucht, einen Zusammenhang zwischen der Qualität der Lehrersprache (inklusive der damit verbundenen unterrichtlichen Handlungen) und der Quantität bzw. Qualität der Schülersprache (inkl. der dadurch initiierten Handlungen) zu erforschen.

Trotz sehr restriktiver Genehmigungspraxis des bayerischen Kultusministeriums und der Regierung von Oberbayern gelingt es dem Verfasser, selbst Mittelschullehrer, ein überzeugendes empirisches Forschungskonzept zu entwerfen und zu implementieren. Der Datensatz umfasst 17, auf Tonträger aufgezeichnete Englischstunden von unterschiedlichen oberbayerischen Mittelschulen, 175 Schülerbefragungen im Anschluss an die Stundenaufzeichnung sowie 18 Lehrerinterviews.

Der V. geht sehr vorsichtig mit der Frage nach der Reichweite seiner Studie um, denn es handelt sich um eine nicht-repräsentative Stichprobe. Für diese gilt allerdings die Einsicht, dass methodisch gelungener Unterricht mit gleichzeitig guter Lehrersprache positive Auswirkungen auf die Schülersprache hat, gute Lehrersprache allein für einen guten Schüleroutput aber nicht ausreichend ist. Zusammenfassend bestätigt sich die Hypothese, dass „Schüler, die in der Stichprobe den Englischunterricht ausgebildeter Lehrkräfte genießen, insgesamt gesehen sprachlich bessere Ergebnisse aufweisen als solche, die von fachfremden Lehrern unterrichtet werden“ (343). Die Jury hat diese sehr verdienstvolle und engagierte Studie mit großem Interesse gelesen, und sie hält die Signale, die davon für die Ausstattung der Schulen mit gut gebildeten Fremdsprachenlehrkräften ausgehen, für sehr wichtig.

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